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Dienstag, 20. Mai 2014

Textfragment Hast du Zeit?

Hast du Zeit? Ich würde welche brauchen. Ich merke, dass sich meine Zeitknappheit zusehends hin zu einer Not verchronifiziert die merklich mein Wohlbefinden in ein eindrückliches, destruktives Unwohlsein transformiert. Wie ich das meine? Knapp bedeutet, nicht genug zur Verfügung zu haben um den Mangel, der hier aus einer Abwesenheit heraus entsteht, auszugleichen. Sie fehlt mir an jeder Ecke, an jedem Ende und ist bereits zu Ende bevor sie begonnen hat. Mir fehlt die entspannte Zeitachse des Lebens, die mehr zulässt als blankes, von Affekten gesteuertes Reagieren auf Umstände, das genau genommen durch diese Überblickslosigkeit Umstände umständlicher gestaltet als zuvor. 

Entdecke ich Skepsis in deinem Ausdruck? Es ist doch so, dass die Abwesenheit der Zeit keine Zeit für das Abwägen der Möglichkeiten lässt. Das Repertoire an Handlungsoptionen, den Spielräumen der reaktionären Aktionen, bleibt ungesehen, unbemerkt und verwildert in der Unberührtheit ungenutzt. Mir bleibt keine Zeit bei der Wahl der Wahl, die über mein auserkorenes Tun entscheidet.

Bleib! Geh nicht! Ich will, dass du verstehst...im Reagieren liegt kein Funken Veränderung! Ich stecke fest in der Reaktion ohne mich aus der situativen Gegebenheit herausmanövrieren zu können. Ich hänge in den Seilen für alle Zeiten bis ich endlich die Zeit der Überlegung vom Tun hin zur Veränderung vollziehen kann, damit ich mich entbinde von dem was mich hängen und strampeln lässt. Einem Hampelmann gleich, der durch das Ziehen an Schnüren um sich tritt wie es die Verkettung der Umstände von jeher vorsah und somit vorhersehbar wird. Selbst für mich. Die Marionette, die erst durch das Entwickeln der Schnüre an Bewegungsfreiheit gewinnt. So bleibt es ein ununterbrochenes Hängen-bleiben im Reagieren. Ich brauche Zeit, die in sich verharrt, damit ich mich entwickelnd herauswinde.

Deine Frage nach dem Zeitpunkt an dem alles so kam wie es jetzt ist macht mich stutzig. Kannst du dich nicht erinnern? Ich erinnere mich an eine Zeit vor der Zeit in der das Lachen über den Dingen stand. Entwickeln war eine natürliche Pflicht die sich nicht anbot sondern sich auftrug auf dem Weg zum Erwachsen werden. Unfassbar ist der Moment, an dem ich mich band und bändigen ließ um im Zirkus rastlos meine Pirouetten zu drehen ohne vom Platz zu kommen. Ich frage dich, wann du begonnen hast, auf die Uhr zu blicken? Vielleicht hat es damals begonnen für mich knapp zu werden. Die Zeiten an denen ich war, wurden in die Freizeit verschoben um den Terminen, denen ohne Rücksicht auf meinen Verlust,Vorrang zu gewähren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich keine Zeit mehr hatte. Ich wurde verschoben, gestrichen, vertagt bis ich nur mehr darauf reagieren konnte. Der erblindete Aktionismus, der aus der gekappten Sekunde reagierte, führte dazu, dass ich alles um mich kränke, krank mache. Deshalb bin ich bei dir, um dich um die Zeit zu bitten, die du brauchst, um wieder gesund zu werden.

Was das mit dir und deinem Leid zu tun hat, willst du wissen? Mir scheint du hast mich vergessen, denn du wusstest einmal genau wer ich war! Wenn du Zeit hast, denke an dich, vielleicht fällt dir dein Selbst wieder ein!